Dogville

nach dem Film von Lars von Trier
Besetzung
Erzähler
Tom Edison
Grace
Thomas Edison, Sr.
Chuck
Vera, Chucks Frau
MA Ginger
Bill Henson
Liz Henson
Mr. Henson
Ben
Martha
Der grosse Mann
 
Regie
Bastian Kraft
Bühne
Peter Baur
Kostüme
Inga Timm
Musik
Björn SC Deigner
Dramaturgie
Kommentare
25.04.2015 23:17
Anonym schrieb zum StückDogville
Ich finde es ehrlich gesagt unerhört, dass es zu diesem Stück keine Triggerwarnung im Voraus gegeben hat. Die gezeigten Dinge sind für manche Menschen tatsächlich nicht zu ertragen. Mir selbst ist sehr, sehr übel geworden und ich hätte das Stück gerne verlassen - leider gab es dafür auch keine Pause. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es einer/m Betroffene/n geht, der/die diese mehrfachen Szenen sexueller Gewalt über sich ergehen lassen muss. Es wäre das mindeste, seine Mitmenschen vor so einer traumatischen Erfahrung zu schützen und ganz deutlich darauf hinzuweisen. So viel Respekt und Achtung muss meiner Meinung nach sein, bei aller künstlerischen Freiheit!
27.03.2015 13:59
Julian Myschkin schrieb zum StückDogville
Hervorragende Schauspieler, geniale Regie und raffinierte technische Umsetzung.
Vorher hätte ich es nicht für möglich gehalten, daß die Vorstellung mit dem Originalfilm von Lars von Trier vergleichbar wäre.
Es ist eine eigene Interpretation, die zum Glück inhaltlich sehr nah beim Original liegt, mit einer völlig anderen Umsetzung, perfekt fürs Theater, die ihren ganz besonderen Reiz hat.

Die Handlung wurde genug beschrieben, daher ein Aspekt bezüglich der Interpretation, der manchmal etwas zu kurz kommt:

Lars von Trier hat in etwa folgenden Satz gesagt:

„Unter normalen Umständen wären die Menschen in Dogville eigentlich ganz in Ordnung gewesen“

Unterwürfigkeit und Machtbesessenheit sind zwei Seiten derselben Medaille.
Wer Dostojewski oder Tolstoi gelesen hat, der weiß, dass Unterwürfigkeit niemals das Ende ist.
Denn diejenigen, die aufgrund der Machtposition Anderer sich viel zu schnell und zu umfassend unterwerfen, also dann nicht mal versuchen Gerechtigkeit für sich selber zu erlangen, genau diese Personen sind es die, wenn sie selber mal eine Machtposition einnehmen, diese auch gnadenlos ausnutzen.
So auch Grace.
Grace unterwirft sich umfassend den Dorfbewohnern, die ihr Schutz bieten und dadurch in einer Machtposition sind.
Sie prangert die Ungerechtigkeiten, die ihr widerfahren nicht sofort innerhalb der Gemeinde an, sondern akzeptiert, entschuldigt und verheimlicht alles bis es zu spät ist, bis es „normal" geworden ist sie zu misshandeln und auszunutzen.
Von da an gab es kein zurück mehr.
Grace hat einen Teil Mitschuld durch ihre Unterwürfigkeit und auch in Dogville ist Unterwürfigkeit nicht das Ende, denn kaum jemand, der sich so unterwirft und sogar Straftaten gegen sich selber entschuldigt wird der Macht widerstehen können, wenn sie kommt.
26.01.2015 11:23
Stephanie Neumann schrieb zum StückDogville
Vielen Dank für den tollen Theaterabend!
Die Schauspieler waren klasse, insbesondere der Erzähler und die Hauptdarstellerin der "Grace"!
Sehr eindrucksvoll, aufwendig und gelungen war auch die technische Umsetzung des Stücks.
Bisher waren wir nur "Low budget" - Inszenierungen gewöhnt, bei denen auch an Mühe und Ideen gespart wurde.
Das ist bei "dogville" ganz anders. Einfallsreich, verblüffend und intelligent sind die Lösungen mit der Spiegelwand, den Buchten
im Boden (eigene Kamera) und der "Aussprache" im Zuschauerraum, die man im Spiegel sieht.
Das hat mir besser gefallen als die filmische Umsetzung mit Nicole Kidman. Und das "Depot" hat auch seinen eigenen Charme.
Die Mühe hat sich gelohnt!
15.11.2014 16:59
Sabine Marie Wilhelm schrieb zum StückDogville
Die mutlimediale Inszenierung und die schauspielerischen Leistungen in "Dogville" sind sehr gut.

Doch schade, dass diese Leistungen für ein so archaisches und aus der Zeit gefallenes Stück eingesetzt werden. Welchen Sinn soll es machen, in so konzentrierter Form und in solcher Ausschließlichkeit rohe, nackte Gewalt und Bestialität zu zeigen? Mir ging es nur schlecht, als ich das Schauspiel danach verließ. Was sollte damit bewirkt werden? Die Besucher, die ich fragte, hatten sich offenbar emotional vollkommen distanziert und äußerten Allgemeinplätze wie: Die Welt ist schlecht, war immer schon schlecht und wird auch immer schlecht bleiben. Absurde Aussagen, wenn man bedenkt, in wie viel Frieden, geordneten Verhältnissen und Harmonie zumindest ein großer Teil der Theaterbesucher hier bei uns lebt.

Ich gebe zu bedenken, dass man mit diesem und ähnlichen Stücken wirklich nichts Konstruktives, noch nicht einmal etwas Neutrales bewirkt. Dieses Stück inszeniert die Idee, dass es nur die Opferrolle oder die Täterrolle gibt, inszeniert eine reine Polarität, Brutalität und Bestialität, und trägt nur die eigentlich für jeden Menschen klar ersichtliche Fehlannahme weiter, die menschliche Natur sei nun mal so. Jeder hier zumindest in unserer westlichen Welt kann in sich und um sich herum beurteilen, dass das überhaupt nicht stimmt. Warum dann ratlos immer wieder in diese alter Leier einstimmen und dem Bösen das Wort reden?

Die gezeigte Brutalität stammt aus dem vergangenen Jahrhundert mit seinen Weltkriegen. Doch wir haben dies zum Glück überwunden bzw. haben in unserer Gesellschaft den Konsens, dass wir das weiter überwinden und nie mehr in diese Unzivilisiertheit zruückfallen wollen und werden. Warum dann ein so anachronistisches Stück inszenieren, das wirklich nichts und niemandem weiterhilft? Alle Besucher dieses Stücks haben doch mit einer solchen Welt nicht das Geringste zu tun. Und wenn es auch noch Gegenden auf unserer Welt gibt, wo die rohe Gewalt sich noch einmal aufbäumt, dann ist das doch kein Grund, dies auf unseren Bühnen zu einer Kunstform zu erheben. Dem eine gebührende Beachtung und Hochachtung zu schenken, viel Pessimusmus in die Welt zu setzen und dadurch Gewalt und Bestialität zu nähren und am Leben zu halten.

Liebe Kulturschaffende und Kulturkonsumierende, bitte wacht auf. Es gibt jetzt Wichtigeres und Besseres, als das Abschlachten auszuschlachten.
22.10.2014 20:29
Manfred W. Günther schrieb zum StückDogville
Das war ganz großes „Kino“. In einer besonderen Weise wurde uns (im wahrsten Sinne des Wortes) der Spiegel vorgehalten zu möglichen menschlichen Verhaltensweisen: Misstrauen oder Vertrauen, Barmherzigkeit oder Berechnung, Macht, Ausnutzung von Macht, Arroganz, Ehrlichkeit oder Verlogenheit, Denunziation, Gruppenzwang, Kriminalität , Obrigkeitshörigkeit und Rechtstaatlichkeit, Rache und Bestrafung. Die Besetzung war sehr gelungen. Es hat alles gepasst. Grandios Martin Reinke als väterlicher Mafiosi, Gerrit Jansen als intellektuelles Arschloch, Nikolaus Benda als triebhafter frustrierter Familienvater und Katharina Schmalenberg als unerfahrenes und gutgläubiges Opfer und später als gereifter Racheengel. Aber auch die übrigen Schauspieler und Schauspielerinnen waren absolut glaubhaft, nicht zuletzt auch Guido Lambrecht, der u.a. als Moses super gebellt hat. Ein toller Theaterabend. Sollte man nicht verpassen.
15.09.2014 14:49
Ma el Ra schrieb zum StückDogville
Eine wahnsinnig gute Umsetzung des Stückes!!
Die ausgeklügelte Technik das karge Bühnenbild gespiegelt und mit Kameraaufnahmen mehrfach wirken zu lassen,
hat in meinem Kopf komplexe Bilder entstehen lassen. Dazu ein wunderbares Ensemble ,das die bedrückende Handlung
perfekt umgesetzt hat. Eine Aufführung, die noch lange nachhallt. Applaus Applaus
14.09.2014 22:53
Werner Deuß schrieb zum StückDogville
Was man Tolles aus einer sog."Behelfsbühne", also einem technischen Provisorium wie Depot1 machen kann, ist unglaublich .Während Genesis die Kolossalität des tonnenschweren Lehmberges in Szene setzte, macht dogville mit Spiegeltechnik und live Kameraeinspielungen mehrdimensionales Theater möglich. Bravo!

Die Kernaussage des Stückes ist befremdlich, widersprüchlich und provokativ, redet sie letztlich der Strafenden Justiz das Wort.
Und zeigt die Abgründe menschlicher Gewaltbereitschaft auf, wenn "Homo sapiens " im Aggressionsrausch seine Bestialität nicht unter Kontrolle bekommt.

Ein lohnender Theaterabend , congratulation dem Team und dem Intendanten , Stefan Bachmann.

Werner Deuß
14.09.2014 21:07
Wolfgang Kaiser schrieb zum StückDogville
Das Stück war sehr gut; die Schauspieler erstklassig; die technische Umsetzung mit der Spiegelwand und den Projektionen hervorragend.

Kurz: wir waren begeistert. Der Beifall mit standing ovations war berechtigt und hochverdient.
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Premiere: 5. September 2014

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