Die göttliche Komödie

von Dante Alighieri
Besetzung
Blinder / u. a.
Kunsthistoriker / u. a.
Mädchen / u. a.
Frau / u. u.
Arzt / u. a.
Beatrice / u. a.
Dante
Vergil
Regie
Bühne
Thilo Reuther
Kostüme
Jana Findeklee / Joki Tewes
Musik
Jens Massel / Jörg Follert
Video
Stefan Bischoff
Licht
Michael Frank
Dramaturgie
Kommentare
13.04.2015 14:04
Manfred W. Günther schrieb zum StückDie göttliche Komödie
"Via mala" steht ganz groß auf der Bühne. Ja, es ist ein schlechter Weg, den das Theater da nimmt und nicht nur mit diesem Stück, dass sich einreiht in die zahlreichen Versuche episch-narrative Texte an die Bühne zu adaptieren. Die Schauspieler tun mir echt leid. Sie können ihre besonderen Fähigkeiten, ihre Kunst, zwischenmenschliche Emotionen glaubhaft darzustellen, überhaupt nicht voll entfalten. Es gibt kaum eine Situation, wo sie wirklich m i t e i n a n d e r spielen können. Meist wird etwas deklamiert, die Gruppe rennt rum, Türen werden geknallt oder es wird Nebel verbreitet. Vieles ist natürlich der allzu großen Bühne geschuldet. Hier muss es wahrscheinlich dauernd laut hergehen. Bei Guido Lambrecht habe ich eher „Old Shatterhand“ assoziiert als Dante. Ernsthaft geglaubt, dass er Beatrice liebt, habe ich nicht. Hin und wieder flackerte bei Larissa Aimée Breidbach so etwas wie Emotionalität auf und zwar in der kurzen Szene ziemlich am Schluss, in der sie sich tröstend um Dante bemühte.
12.04.2015 10:27
Michael H. schrieb zum StückDie göttliche Komödie
Dieser Abend hat das erste Mal in den letzten fast 2 Jahrem am Kölner Schauspiel gezeigt, was Theater sein sollte: Keine unterhaltsame Wiedergabe eines Textes mit Bebilderung, um dem Besucher das Lesen des Ursprungstextes zu ersparen, sondern eine individuelle Interpretation (Ausnahme: Genesis!).
Die Inszenierung nimmt wenig Rücksicht darauf, dass Dantes Sprache sich dem Zuhörer nicht gerade leicht erschließt, meiner Meinung nach darf man aber auch erwarten, dass der Zuschauer sich bei so komplexer Literatur mit dem Stoff schon einmal -bei einem Gläschen Wein?- auseinander gesetzt hat. Mir ist klar, dass dabei der eine oder andere hinten runter fällt, aber warum ist jede Inszenierung in der letzten Zeit in Köln so angelegt, dass zwar alle mitkommen, aber die Interessierten sich konsequent langweilen müssen?

Sebastian Baumgarten hat sich viel Mühe gemacht, über den Text nachzudenken, eine Haltung dazu zu entwickeln, und im Stück durch vielfältige Neuinterpretationen einen zeitgemäßen Kommentar hinzuzufügen.
Die von Dorothea Marcus in der "Nachtkritik" beschriebenen "fünf Fachkräfte" z.B. lassen sich gut als Figuren des Limbus interpretieren: Dioskorides/Hippokrates (Arzt), Elektra/Penthesilea/Lucrezia/Julia (Frau/Mädchen), Seneca/Aristoteles/Saladin (Kunsthistoriker/Dichter). Während sie bei Dante aber eher passiv ihren Platz in der Vorhölle besetzen, lässt Baumgarten sie aktiv auf Dante einwirken, indem sie alle ihn durch die Hölle führen, in der Hoffnung danach einen Platz im Purgatorium oder dem Paradies erwischen zu können. Hierfür setzen sie ihn unter Drogen, die bei Nachlassen der Wirkung den Betrug auffliegen lassen; und dann gibts den nächsten Schuß.

Das für Kölner Inszenierungen üppige Bühnenbild im Depot 1 lädt auch zur Deutung ein: die "Mala Dia -oder Via?- als Fehlweg, schlechter Tag oder Krankheit; die beschriebenen Symbole der Religionen an Wänden und Schauspielern; die Schneefläche im Zentrum, die an Dantes kalte Hölle erinnert, zum Abwaschen von Blut und Sünden dient.

Für den gesamten Abend: Höchstes Lob und vielen Dank!
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