Hamlet

von William Shakespeare
Besetzung
Geist von Hamlets Vater
Claudius
Gertrud
Hamlet
Polonius
Laertes
Ophelia
Rosencrantz
Guildenstern
1. Schauspieler / König im Schauspiel
Königin im Schauspiel
1. Totengräber
2. Totengräber
Schauspielgruppe / Osric
 
 
 
Regie
Bühne
Olaf Altmann
Kostüme
Birgit Bungum
Choreografie und Bewegung
Kampfchoreografie
Annette Bauer
Musik
Licht
Jürgen Kapitein
Dramaturgie
Kommentare
10.10.2016 16:10
Werner Deuß schrieb zum StückHamlet
Minimalismus ist eine bewährte Kunstform .
So auch hier:

Keine Requiste. Kein Oben, kein Unten, keine dritte Dimension, alles in der sich um sich selbst drehenden flachen Ebene.

So konnte man getrost von einer der letzten Reihen aus mit geschlossenen Augen diesem fantastischen "Hörspiel " lauschen, sich der Sprache widmen, -sofern akustisch klar vernehmbar, was z.b. dem Hamlet selten gelang.
Fazit:
Schlechte Akkustik: Eine immer noch nicht behobene handwerkliche Schwäche im Depot 1.
Warum denn nicht (wieder) der Einsatz der Mini-Mikrofone? Gerade bei so wortgewaltigen Stücken?
Und einem zur Schwerhörgkeit neigenden Abo- Senioren-Publikum...

Zu bewundern sind die Schauspieler, die sich einen dreistündigen schwierigen Text ins Gedächtnis gemeißelt haben und fehlerfrei rezitieren können.


Werner Deuß
07.10.2016 23:32
Benjamin Garelly schrieb zum StückHamlet
Ein selbstredend unterhaltsamer und vergnüglicher Abend mit einem Hamlet, der mir in Einzelteilen gut gefiel, dessen Interpretation ich aber oftmals kontrastierend zu der meinen empfand. Nach nur wenigen Augenblicken setzte sich die allgemeine Stimmung tot maskierte Figuren, leblosem Tanz, sakraler Orgelmusik und einem still wirr grinsenden Hamlet: ein surreales Schauerspiel aus ausnahmlos totgeweihten Figuren. Polonius' Ermordung sah das Publikum hinter dem Vorhang lauernd und das "Stück im Stück", in dem Hamlet die Ermordung seines Vaters von Schauspielern vortragen lässt wurde gekonnt durch Spiegelbilder der "echten" Figuren gezeigt. Auch das Ende mit allen toten Figuren, die auf der Drehbühne zu erneut sakral-hymnischer Orgelmusik auf der Bühne rotieren passte ins Bild: es kam, wie es kommen musste. Wir haben bloß ohnehin schon Tote gesehen, die kurz zum Leben erweckt wurden, um ihre Geschichte zu erzählen.
Nicht gefallen hat mir die Darstellung der Wirrheit, sowohl bei Hamlet, als auch bei Ophelia. Hamlet wirkte wie eine von Grund auf verwirrte Person, bestialisches Lachen und wirre Grimassen erinnerten mich stark an den Joker der Batman-Verfilmungen. Dies war für mich eher komödiantische Klamauk-Verwirrtheit. Ich sah Hamlet immer als die womöglich vernünftigste Figur des ganzen Dramas, der durch die Ausmaße und Ausweglosigkeit der Ereignisse sich selbst und seinen Verstand verliert. Dass er selbst in dem Zustand größten Schicksals nicht zur naheliegenden Bluttat schritt, sondern abwog und nicht agierte, zeigt keine Verwirrung, sondern Besonnenheit. So war mir das Stück allgemein zu komödiantisch, dadurch gingen mir wichtige Botschaften des Stücks auch verloren.
25.09.2016 13:05
Dr. Manfred W. Günther schrieb zum StückHamlet
Gänzlich ohne Requisiten! Selbst der obligate Totenschädel kam requisitisch nicht zum Einsatz. Das war konsequent. Stattdessen Orgelmusik. Das passte zu den Emotionen und der zunehmenden Zahl von Mordopfern. So noch nicht gesehen: Die Erdolchung des Polonius. Man stand mit hinter dem Vorhang um die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und seiner Mutter zu belauschen. Die Schauspielführung erinnerte im Hinblick auf die Choreographie an die gelungene Inszenierung „Geschichten aus dem Wienerwald“. Das gleiche gilt für die Bühne, die durch ihre Verkleinerung gewinnt. Da ist man demnächst natürlich auf Neues gespannt. Mit der Totengräberszene bewegt sich Stefan Bachmann etwas an der Grenze zum Slapstick. Seine Affinität dazu ist aus ja früheren Inszenierungen bekannt. Peter Miklusz als Hamlet ist ein echter Gewinn für das Ensemble. Die anderen Rollen waren ebenfalls gut besetzt, insbesondere auch die des Polonius mit Wolfgang Pregler, der mir sehr gefallen hat. Gratulation an Birgit Bungum für die stylishe königliche Jacke. Die Publikumsführung beim Schlussapplaus könnte besser sein: Nach dem Satz „Der Rest ist Schweigen“ ist noch nicht Schluß! Alle Mordopfer - und es sind bekanntlich viele - drehen noch einmal eine Runde. Dann erst schließt sich (wie vor der Pause) der Vorhang. Ein schöner Theaterabend.

Premiere am 23. September 2016

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