Ich rufe meine Brüder

von Jonas Hassen Khemiri
Besetzung
 
 
Regie
Bühne
Marina Diez Schiefer
Kostüme
Jeans-Louis Frère
Dramaturgie
Sarah Lorenz
Kommentare
03.04.2019 13:26
E. Engel schrieb zum StückIch rufe meine Brüder
Für 5, 50 € bekommt man Zugang zu den Lkw-Containern unter dem Wiesenhügel des Carlsgarten. Dort sitze ich eng an eng mit anderen Besuchern auf Holzbänken und schaue auf die langen Neonröhren, die wie Mikadostäbe zwischen Decke und Boden stecken. Dann legen Johannes Benecke und Nikolaus Benda los. Wut, Lebensfreude und Größenwahn springen einen an. Dazwischen keimt Unsicherheit und Verzagen, bevor die nächste Gedanken-Sprach-Welle durch den Container rollt. Bedrohung, Verdächtigung und Kontrolle schwingen immer mit. Schon bald weiß ich nicht mehr, welches Versatzstück Realität und was Gedankenwelt ist. Elena Hollender taucht auf und stößt die intensiven und temporeichen Dialoge der beiden Männer auf eine neue Plattform. Mehr und mehr biografische Schnipsel werden sichtbar. Aber auch hier immer auf schwankendem Boden. Nach rund 70 Minuten öffnen sich die Stahltüren der Container und die Darsteller verschwinden in die Nacht.

Was für ein dichtes und temporeiches Stück, Regie: Till Ertener. Mit minimalsten Mittel wurden Personen verwandelt und Ebenen gewechselt. Die Monologe und Dialoge skizzierten mit Genauigkeit, Wucht und manchmal Witz das Lebensgefühl und die Lebenswelt einer Generation der Jetztmenschen. Ein großes kleines Stück mit den großartigen Schauspielern Johannes Benecke, Nikolaus Benda und Elena Hollender. Unbedingt hingehen - für 5,50 €.

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