The HYPE

ein zeitgenössischer Zyklus von SEE!
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09.10.2016 09:04
Malina Sommer schrieb zum StückThe HYPE
Der Samstag verlief leider noch enttäuschender als bei aufgeblasenen Projekten dieser Art erwartbar. Nachdem die beiden jungen Frauen im Foyer des Schauspielhauses ausführlich erläutert hatten, dass man bereits eine ganze Spielzeit lang über den Stadtteil recherchiert und geforscht hatte, konnte man auf der folgenden Radtour mit den beiden "Komplizen" aus dem Bereich Architektur nicht umhin sich zu fragen, warum bei diesem langen Forschungsprozess entweder keinerlei Ergebnisse entstanden sind - oder aber die "Komplizen" nicht bereit waren sie mit uns zu teilen. Auf einer scheinbar völlig beliebigen Tour durch Mühlheim traf am an drei Stationen "Experten" aus Mühlheim, die in wenigen - von unseren beiden "Tourleitern" in keinester Weise anmoderierten oder durch Fragen in irgendeine erhellende Richtung geführten - Sätzen von ihrem Umfeld erzählten. Dann ging es weiter. Beispiel: zum Thema "Mobilität" traf man einen Herrn, der eine Fahrradwerkstatt auf dem Gelände betreibt, auf dem auch das Kunstwerk angesiedelt ist und auf dem künftig Wohneinheiten für 5000 Menschen entstehen sollen. Darüber wollte er aber lieber nicht weiter reden, versorgte uns dafür mit der wichtigen Erkenntnis, dass man mit dem Rad schneller durch den Kölner Verkehr kommt als mit anderen Verkehrsmitteln. Dies ist mit Sicherheit richtig und soll nun auch keine Kritik am Beitrag dieses Mannes sein - aber warum musste für diese Erkenntnis eine ganze Spielzeit geforscht werden? Warum schloss sich inhaltlich von Seiten der Tourleitung nichts an? Warum gab es keine Metaebene? Keinerlei Anknüpfung an den aktuellen Stadtentwicklungsdiskurs? Wenn ich mich schon von Experten begleiten lasse, dann möchte ich bitte davon auch etwas merken. Wenn ein Prozess zur Mitgestaltung der Stadt angestoßen werden soll, dann muss die Idee hinter diesem Prozess auch deutlich werden. Vorausgesetzt, es gibt eine Idee. Gestern erschöpfte sich der kleine Ausflug darin, Fotos zu machen (braucht man bestimmt für die Dokumentation des Projekts für die Geldgeber) und daruf hinzuweisen, dass man sich auch künftig sich mit Menschen treffen möchte und reden und lustige Dinge wie das kleine Gefährt bauen, das den gesamten Tag mit uns herumfuhr, ein kleiner Holzkarren mit Fahrradrädern. Damit will man sich dann in die Stadt einmischen, intervenieren, irritieren. Was soll das bringen? Beschäftigungstherapie für gelangweilte Akademiker? Die Diskussion darüber, was Stadt kann und welches Potenzial der Stadtraum hat, befindet sich an einem völlig anderen Punkt - da gäbe es auch genug Anknüpfungspunkte für ein Schauspielhaus, sich theatral sinnlich mit den Gestaltungs- und Einmischungsmöglichkeiten der Bürgerschaft auseinanderzusetzen. Stattdessen ein lange gekochtes und leider völlig belang- und inhaltsloses dünnes Süppchen, das das Problem von Projekten dieser Art mal wieder mehr als deutlich aufzeigt: was fehlt, sind Ideen und deren gestalterische Umsetzung. Die endlose Wiederholung der immer gleichen harmlosen und in der Theorie viel zu aufgeladenen Aktionen im öffentlichen Raum helfen nur einer kleinen Gruppe von Menschen, die mal kurzzeitig an dem Quatsch verdient. Aber Theater kann nicht nur mehr, Theater muss auch mehr zeigen - und zwar als Theater. Für alles andere (z.B. Stadtteiltouren) gibt es andere Experten, die diesen Job deutlich besser übernehmen. Schön war, den neuen Pavillion des Schauspielhauses sehen zu können, als dann dort aber in der Performance Menschen mit Trisomie 21 zu Klavierklängen dazu gebracht wurden zu hüpfen und sich in immer neuen Linien aufzustellen, hatten wir endgültig genug und verließen die Veranstaltung. Vielleicht war also der Abschluss mit Subbotnik der Knaller, von denen ist ja auch Gutes zu erwarten, aber das rechtfertigt diesen konzeptlosen Quatsch in vielen Stunden davor auf keinen Fall. Mit etwas Wehmut dachte man kurz an das "Archiv der zukünftigen Visionen" unter Karin Beier. Das hat vor - wieviel? 5 Jahren? - schon erheblich mehr über Visionen in dieser Stadt erzählt als das Ergebnis der einjährigen Recherche gestern. Schade. Ein enttäuschendes Erlebnis unter Herrn Bachmann mehr.

Weitere Stücke

Tyll

nach dem Roman von Daniel Kehlmann
in einer Bühnenfassung von Julian Pörksen und Stefan Bachmann

Bewohner

nach den Aufzeichnungen von Christoph Held

Endspiel

von Samuel Beckett
In der Übersetzung von Elmar Tophoven

Don Quijote

nach Miguel de Cervantes

Die Vernichtung

von Olga Bach und Ersan Mondtag

Romeo und Julia

von William Shakespeare
In der Übersetzung von Gesine Danckwart

Tod und Leben in NRW #3

Ledwina von Anette von Droste-Hülshoff

#WOHIN_WIR_GINGEN

von und mit der Old School

18. Kölner Theaternacht

Ausschnitte aus: Real Fake / Draußen vor der Tür

Unter vier Augen

Ein Gespräch mit Jakob Augstein, Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Freitag" und Daniel Kehlmann

The Gift

Choreografie, Inszenierung und Text: Itzik GaliliTanz: Eric Gauthier

lies&secrets

mit Benjamin Höppner und Magda Lena Schlott

Drei Schwestern

von Anton Tschechow

Woyzeck

von Georg Büchner

Neues aus dem Trainingslager

Monologe 1: Gegenwart!

Wilhelm Tell

von Friedrich Schiller

Carla Dal Forno

Support: Sneaks

Rot

von John Logan
Deutsch von Corinna Brocher

Science Slam

Westdeutsche Meisterschaften

Draußen vor der Tür

von Wolfgang Borchert

Effzeh! Effzeh!

Ein Fußballoratorium
von Rainald Grebe

Kind

Inszenierung: Gabriela Carrizo und Franck Chartier

Rückkehr nach Reims

nach Didier Eribon
in einer Bühnenfassung von Thomas Jonigk

Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino

mit dem Schauspielstudio Köln
von Martin Crimp

Pardon wird nicht gegeben

nach dem Roman von Alfred Döblin
in einer Bühnenfassung von petschinka

Kinder der Nacht

nach dem Roman von Jean Cocteau
in einer Bühnenfassung von Helene Hegemann und Melanie Kretschmann

Love Chapter 2

Choreografie Sharon Eyal

TrapTown

Regie, Choreografie und Film: Wim Vandekeybus

How to date a feminist

von Samantha Ellis

Grand Finale

Choreografie: Hofesh Shechter

Rheinische Rebellen

von Arnolt Bronnen

Medea

nach Euripides

Ein grüner Junge

nach dem Roman von Fjodor Dostojewskij

Venezuela

Choreografie: Ohad Naharin

Schnee Weiss

(Die Erfindung der alten Leier)
von Elfriede Jelinek

Herero

A History of Violence
Ein Projekt von Nuran David Calis

Die schmutzigen Hände

von Jean-Paul Sartre

Die Räuber

von Friedrich Schiller

XENOS

Regie und Choreografie: Akram Khan

Concord Floral

von Jordan Tannahill

Crossover (AT)

von Richard Siegal / Ballet of Difference