Literarischer Salon


Lesung & Gespräch
In der Stadt
Seit 14 Jahren laden Guy Helminger und Navid Kermani Schriftsteller, für die sie sich begeistern, in ihren Literarischen Salon in den Kölner Stadtgarten ein. Der Gast liest aus seinen eigenen Büchern, bringt aber auch Texte mit, die ihm besonders wichtig sind. Nach der Pause präsentiert er, was ihn sonst noch bewegt: Platten, Bilder, Videos oder was Schriftsteller sonst alles verhandeln, wenn Lesungen eigentlich schon zuende sind.
06 MAI • Sasha Marianna Salzmann
Bereits mit ihrem ersten Roman „Außer sich“ stand sie auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Seitdem ist die Begeisterung unterschiedlichster Preisjuroren nicht abgebrochen. Dabei hat die Hausautorin des Maxim-Gorki-Theaters gerade erst ihren zweiten Roman veröffentlicht. Egal, ob Sasha Marianna Salzmann von Zwillingen und deren Suche nach Zugehörigkeit erzählt oder ob sie gleich mehrere Generationen auf ihrem Weg aus den postsowjetischen Trümmern der Ukraine nach Deutschland begleitet, immer zieht ihr spezieller Sound in den Bann. Die Autorin, die sich selbst als non-binär bezeichnet, verhandelt in ihren Werken aktuelle Themen wie sexuelle Ambiguität, Desintegration, existentielle Brüche, fluide Identität und Genderfragen und das in einer so wunderbar sinnlichen Sprache, dass ihr Stunden vor Redaktionsschluss auch der Preis der Literaturhäuser zugesprochen wurde. Der Literarische Salon wird also erstmals in seiner Geschichte zugleich eine Preislesung sein. Wir machen uns schon mal an die Laudatio!
15 SEP • Damon Galgut
Anhand einer einzigen Familie erzählt Damon Galgut, geboren 1963 in Pretoria, die Entwicklung Südafrikas, vom Apartheid-Regime bis heute. Aber wie er das tut, vielstimmig, mehrdeutig, voller unvergeßlicher Nuancen und sprachlich schlichtweg brillant, das macht diese Geschichte zu einer universalen Metapher auf Unterdrückung und Rassenhass, Widerstand und Vergebung: „Das Versprechen“ ist der Roman unserer Zeit und sein Autor eine der wichtigsten Stimmen der Weltliteratur. William Faulkner und Virginia Woolf sind noch die gewöhnlichsten Vergleiche, die gezogen werden, um den Rang des südafrikanischen Autors zu markieren, und selten las man nach der Vergabe des Booker-Prize so oft das Wort „verdient“ wie 2021, als „Das Versprechen“ die weltweit wichtigste Auszeichnung für einen Roman erhielt. „Damon Galgut ist der dritte südafrikanische Booker-Preisträger nach J.M. Coetzee und Nadine Gordimer“, bemerkte Lothar Müller in der Süddeutschen Zeitung. „Und er ist der Tradition, in die er eintritt, gewachsen."
29 SEP • Deniz Ohde
Eine eigene Sprache zu finden ist womöglich das Schwierigste für Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Denn die finden sie in keinem anderen Buch, lernen sie an keiner Schreibschule, die eigene Sprache haben sie irgendwo in sich selbst oder haben sie nicht. Deshalb sind manche Romane heute so austauschbar, so unterschiedlich ihre Themen sind. Und deshalb ist das Debüt von Deniz Ohde vom ersten Satz an ein Ereignis. Ausgrenzung, Bildungsungerechtigkeit, Patriarchat, Migration, modernes Prekariat – so oft hat man schon davon gelesen, und dann liest man „Streulicht“, und es ist, als wär’s noch nie erzählt worden, so feinsinnig, so differenziert, bis in die hintersten Winkel der Erfahrung ausgeleuchtet, und wahrhaftig, wie es nur großer Literatur gelingt. Zu Recht hat die junge Frankfurterin, die heute in Leipzig lebt, im vergangenen Jahr praktisch alle Preise erhalten, die für ein Debüt überhaupt möglich sind, und stand mit „Streulicht“ auch auf der Short-List für den deutschen Buchpreis.
15 DEZ • Robert Menasse
Mit dem Roman „Die Hauptstadt“ gelang Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, einer der größten literarischen Erfolge der letzten Jahre: 2017 mit dem Deutschen Buchpreis prämiert, von Kritikern bejubelt und über Monate auf der Bestsellerliste. Und ja, wir waren ebenfalls hingerissen vom anarchischen Witz und politischen Ernst dieses Brüsseler Spektakulums – und erst recht von den Charakterbildern, die viel zu verrückt sind, um ausgedacht zu sein. Denn eine Rechercheleistung in den Kammern und Kantinen der EU-Institutionen war „Die Hauptstadt“ außerdem. Danach zog Menasse sich aus der Öffentlichkeit zurück; nicht einmal seine polemischen, scharfzüngigen, leidenschaftlichen Widerworte gegen den Nationalismus waren mehr zu hören. Als wir nun erfuhren, dass im Herbst endlich ein neuer Roman erscheint, Arbeitstitel: „Die Erweiterung“, sprachen wir die Einladung ausnahmsweise ohne vorherige Lektüre aus – denn schlecht zu schreiben, das hat Robert Menasse noch nie hingekriegt.
Eine Veranstaltungsreihe der Initiative Kölner Jazz Haus e.V. und des Literaturhaus Köln und der Kunsthochschule für Medien Köln • Gefördert von dem Kulturamt der Stadt Köln und der Heinrich Böll Stiftung • Unterstützt von der Augenklinik am Neumarkt • In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Klaus Bittner und dem Schauspiel Köln • Medienpartner: Kölner Stadtanzeiger, Stadtrevue
Konzeption und Gastgeber: Guy Helminger, Navid Kermani
Koordination: Thomas Empl
Initiator: Jürgen Nordt
Es lesen: Schauspieler*innen des Schauspiel Köln