URAUFFÜHRUNG

Oblomow
revisited (AT)

frei nach Iwan Gontscharows Roman OBLOMOW •
in einer Überschreibung von Nele Stuhler
Digital
URAUFFÜHRUNG:
12. November 2021
Im November 2020 sorgte ein Videoclip der Bundesregierung für Aufsehen. Unter dem Hashtag #besonderehelden rief die Politik dazu auf, »faul wie Waschbären« zu sein und die »Couch zur Front« umzufunktionieren. Die Botschaft war klar: Heroisch ist, wer zu Hause bleibt. Geschmacklos oder lustiger Gag? Darüber diskutierte die Öffentlichkeit kontrovers. Das Narrativ der Nein-Sagenden, der Verweigernden oder Untätigen ist in der Literatur häufig anzutreffen, denkt man beispielsweise an Melvilles BARTLEBY DER SCHREIBER, Thoreaus WALDEN oder Moshfeghs MEIN JAHR DER RUHE UND ENTSPANNUNG.

Auch Iwan Gontscharows Protagonist Oblomow bleibt zu Hause, versinkt in Tagträumen auf dem Diwan, zeichnet sich durch Nichtstun aus, letztlich vermögen nicht einmal seine engsten Bekannten, ihn zu motivieren.
Vor welchen Herausforderungen würde dieser Landadelige heute stehen? Das Bild des heimeligen Heroismus verzerrt sich. Blickt man auf das vergangene Pandemie-Jahr zurück. Auf diejenigen, deren phasenweise Selbstisolation in permanenten Rückzug aus der Gesellschaft umschlägt. Was passiert mit den Menschen, die sich abgehängt fühlen, die nicht nach draußen gehen, nicht in Cafés oder Theatern sitzen werden, sobald die Pandemie überwunden ist, weil das Jahr Spuren im Umgang mit der Umwelt und in der eigenen Psyche hinterlassen hat? Luk Perceval nimmt sich diesen Fragen in einem Projekt an, das ausschließlich für den digitalen Raum gedacht ist.

Dramaturgie: Lea Goebel