Denk ich an Deutschland in der Nacht
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„Das Massensymbol der Deutschen war das Heer. Aber das Heer war mehr als das Heer: Es war der marschierende Wald“, schreibt Elias Canetti in seinem KIassiker „Masse und Macht“. Unzählige Lieder wurden diesem deutschen Wald gewidmet, Opern vor seiner Kulisse verfasst, Baum auf Traum gereimt, Märchen und Sagen über seine Feen- und Hexenwelt erschaffen. Eichendorff fragte: „Wer hat dich, du schöner Wald | Aufgebaut so hoch da droben?“ Jünger glorifizierte in seinem „Waldgang“ den Partisanenkampf, Grüne wie Nazis gleichermaßen führten ihn gegen die Versteppung der Deutschen Kulturlandschaft ins Feld. Und Kleist ließ die Römischen Legionen im Teutoburger Wald Hermann dem Cherusker erliegen. Oder wie Heine es satirisch wendete: „Hier schlug ihn (den Römer Varus) der Cheruskerfürst | Hermann, der edle Recke; | Die deutsche Nationalität, | Die siegte in diesem Drecke.“ Aber siegte sie damals wirklich? Hat es sie denn überhaupt je gegeben? Oder besteht das Nationalgefühl der Deutschen nicht vor allem aus heroischen Erzählungen, die mit der historischen Realität nicht allzu viel gemein haben? Trotzdem oder auch deswegen halten sie sich hartnäckig. Und liefern bis heute die geistige Nahrung für astreine Konzepte von Heimat, Nation und Potenz. Umso dringlicher stellt sich die Frage danach, wo sie eigentlich herkommen, die Mythen der Deutschen. Und wie man verhindert, dass der Traum vom Gestern zum Albtraum von morgen wird.
- Regie Kay Voges