Kaspar
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Ein ungeübter Körper, ein ungeformtes Geschöpf zwischen Clown und Kind findet sich in die Welt geworfen. Sein Name: Kaspar, in Anlehnung an das mysteriöse Findelkind Kaspar Hauser, das 1828 plötzlich in Nürnberg auftauchte. Zivilisation, Regeln und Sprache sind ihm unbekannt. Nur einen Satz erprobt der ansonsten Sprachlose in stoischer, variierender Wiederholung: „Ich möchte ein solcher werden, wie einmal ein anderer gewesen ist.“ Und da ertönen sie, die Einsager. Sie benennen mit freundlich autoritären Stimmen Dinge und Vorgänge, üben mit dem staunenden Kaspar Worte und Sätze, ordnen für ihn die Welt – und erzeugen dabei Anpassung, lenken seinen Blick, normieren sein Denken. Im Aufflammen der 68er-Bewegung, in Zeiten der Revolte gegen die postfaschistische BRD und ihre Konventionen, schrieb Peter Handke sein großes dramatisches Gedicht. Ein Sprachkunstwerk von poetischer Schönheit und politischer Sprengkraft, das er auch „Sprechfolterung“ nannte. Mit groteskem Humor und Wortakrobatik bringt Regisseurin Claudia Bauer KASPAR als musikalisches Machtgefüge auf die Bühne, das den Preis von Erziehung und Verständigung seziert.
- Regie Claudia Bauer