Moneyland
Noah dreht einen Film. Kritisch soll er werden, denn kritisch waren seine Dokumentationen, in denen er der Gegenwart auf den Zahn fühlt, schon immer. Dieses Mal hat er sich weit rausgewagt. Mitten in der Wüste trifft er Ava Rothbart zum Interview, 15 Meter tief unter der Erde auf der Baustelle ihres neuen Luxus-Bunkers. Ava ist Tech-Milliardärin und Gründerin von Atlas Analytics, ein Unternehmen, das Militär und Polizei mit geostrategischer Software versorgt. Ihre Programme analysieren gigantische Datenmengen und sagen die Handlungen des Feindes voraus. Das hat der libertären Unternehmerin nicht nur Freunde beschert. Noahs Tochter June, idealistische Antifaschistin, steht unter Verdacht, an einem Attentat auf sie beteiligt gewesen zu sein. Für Noah entwickeln sich die Dreharbeiten im Bunker zu einem Höllentrip zwischen den Stühlen, in dem seine Werte auf die Probe gestellt werden und seine Sinneswahrnehmung zwischen Realität und Fiktion verrückt spielt. Die Lage eskaliert endgültig, als die Bunker-KI Samantha voraussagt, dass Noah ein Verbrechen an Ava begehen wird. Wer trifft hier jetzt noch die Entscheidungen? Wie verschiebt sich die Machtfrage durch den Eingriff der KI? Wie legitim ist Gewalt, die auf Gewalt antwortet, die nur vorausgesagt wurde? Das neue Stück von Alexander Kerlin widmet sich auf faszinierende Weise den Abgründen digitaler Kriegsführung und erkundet die neuen Bündnisse zwischen Techkapitalismus und rechter, autoritärer Politik.
- Regie Kay Voges
- Bühne Daniel Roskamp
- Kostüm Mona Ulrich
- Videoart Max Schweder
- Dramaturgie Viola Köster
- Live-Schnitt Mario Simon und Jan Isaak Voges
Termine
Uraufführung