One Night Stand

Ein Festival zu Alter(n), Sichtbarkeit und Sexualität
»Sieh mich an! Du siehst aber gut aus – für Dein Alter! Wollen wir... etwas gemeinsam zum ersten Mal machen? Etwas Einmaliges. Siehst du, wie das Schweinwerferlicht über meinen Körper wandert? Das beobachtest du schon die ganze Zeit, nicht wahr? Eine Nacht lang Unvorhergesehenes tun. Verstecktes sichtbar machen. Ungesagtes aussprechen. Unanständigkeiten anstellen, gerade weil es sich nicht gehört... für unser Alter. Sind wir immer noch nicht zu alt für den Scheiß?«

In diesem überregionalen Festival kooperieren Choreograf*innen, Theatermacher*innen, Vermittler*innen und Menschen 60+. An zwei Tagen gestaltet das Bündnis zwischen Silke Z. / resistdance (Köln), moving_SpAces (München), das Altentanztheater ZARTBITTER der TTW (Ludwigsburg) und der OLDSCHOOL (Köln) ein einmaliges Programm mit Performances, Workshops, Ausstellung, Gesprächen und Party zur Sichtbarkeit von Alter in der darstellenden Kunst. Finale des Festivals bildet die Premiere eines dreiteiligen Performanceabends der unterschiedlichen Ensembles der Generation 60+, die sich im Vorfeld mit dem Themenkomplex auseinandergesetzt haben.

FR 23 FEB

WIR – Der empathische Körper

Mit Caroline Simon (Silke Z. / resistdance)
TANZWORKSHOP FÜR ALLE
In diesen Workshop, für alle Tanz- und Bewegungsbegeisterten, werden Bewegungen und Tanzsequenzen kreiert, basierend auf persönlichen Eigenschaften und Vorlieben. Es werden einfache und für alle zugängliche choreographische Methoden vorgestellt, die tänzerisch in Solo - und Gruppe Ausdruck finden.
Der Workshop ist offen für alle Menschen mit – oder ohne Vorerfahrung, Special Need oder Alter!

SINNLICHKEIT & IMPROVISATION

Mit Lisa Thomas (Altentanztheater Zartbitter)
BEWEGUNGSWORKSHOP FÜR MENSCHEN AB 55+
Lisa Thomas ermutigt die älteren Darsteller*innen das Erleben und Präsentieren der eigenen Körperlichkeit als Kunst im Raum zu sehen. Sinnlichkeit wird erfahren über das bewusste humorvolle und spielerische Kennenlernen und Ausschöpfen der eigenen körperlichen Möglichkeiten. Improvisationsaufgaben lotsen durch minimale, präzise und ungebändigte Bewegungen.

BEObAchtung!

Mit Andrea Marton & Stephanie Felber (moving_SpAces)
INTERDISZIPLINÄRER WORKSHOP FÜR ALLE
In diesem Workshop begeben wir uns in ständige »BeobAachtung!«. Wie verhandeln wir die Sichtbakeit unserer (alternden) Körper, zwischen öffentlichen und privaten Räumen? Welche Bedeutung haben Aspekte des Anpreisens, Begehrens und der Offenlegung unserer Seh(n)süchte?
Verschleierung und Videoüberwachung stehen im Mittelpunkt. Wir setzen uns anhand von Bewegung und Videokameras mit Verstecken, Verbergen und gleichzeitig mit der Möglichkeit des Sichtbarmachens auseinander. Was wird öffentlich gemacht, was wird verheimlicht? Was wird im Geheimen dokumentiert, was wird extra in Szene gesetzt? Diesen Fragen gehen wir körperlich und durch die Linse der Kamera, videographisch, nach.

SA 24 FEB 2024

LOOK AT ME

AUSSTELLUNG
»Ich bin jetzt bereit für meine Nahaufnahme!« - Eine Komposition aus Installation, Fotografie, Video, Requisite und Zitaten gibt einen Einblick in das Sehen und Gesehn Werdens des alternden Körpers. Ausstatterin Anna Lachnit arrangiert eine Spurensuche an Fundstücken aus vergangenen und aktuellen Performances und lädt ein, Sehgewohnheiten neu zu erfahren.

STILL SEXY?!

»Jugend! Jugend! Jugend! Es gibt nichts auf dieser Welt als Jugend!«
Sir Henry in »Das Bildnis des Dorian Gray« Oscar Wild, 1890
SYMPOSIUM
An welchem Punkt stehen wir hinsichtlich Altersbilder und Altersnormen? Befinden wir uns im Wandel? Wer nähert sich wem an? Kulturwissenschaftlerin Dr. Miriam Haller lädt zum Austausch über bestehende Konstruktionen von Alter, unerwünschte Visibilität und performbare Unanständigkeiten. Mit dabei sind Jane Dunker (Oldschool, Kulturreferentin Ev. Kirchengemeinde Brück-Merheim), Almuth Fricke (Leiterin Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur), Anja Laïs (Schauspielerin, Schauspiel Köln), Stephanie Sonnenschein (Musiktheaterpädagogin, Oper Köln) und David Vogel / Silke Z (Initiator*innen ONE NIGHT STAND-Festival).

ONS-SHOWTIME

Mit moving_SpAces, Silke Z. / resistdance & Oldschool und Zartbitter
PERFORMANCE
Der dreiteilige Performanceabend bildet das Finale des ONE NIGHT STAND-Festivals und ist gleichzeitig Uraufführung der unterschiedlichen 60+-Ensembles aus München, Köln und Ludwigsburg. Alle drei Gruppen haben in den vergangenen Wochen mit unterschiedlichen Perspektiven und Ansätzen zum Ausgangsbegriff ONE NIGHT STAND künstlerisch geforscht und gearbeitet und präsentieren ihre finalen Ergebnisse erstmalig öffentlich gemeinsam auf der Bühne im Depot 2.
»betrAchten« von und mit moving_SpAces
Mit BETRACHTEN fokussieren Andrea Marton und Stephanie Felber das Sichtbarmachen und Dekodieren von alternden Körpern und setzen, durch eine installative Performance mit Menschen Ü60, den gesellschaftlichen Erwartungen Irritation entgegen. Anhand unterschiedlicher Fragestellungen bezüglich der Wahrnehmung von Alter im Alltag und im öffentlichen Raum, entwickeln Marton und Felber mit ihren Teilnehmenden choreographisches Material, das sie videografisch festhalten und live inszenieren. Was wird öffentlich gemacht, was wird verheimlicht? Was wird im Geheimen dokumentiert, was wird extra in Szene gesetzt? ONE NIGHT STAND: In der Einmaligkeit liegt die Einladung, endlich das zu tun, was man sich sonst nicht traut: aus der Reihe tanzen... Innerhalb der Performance verschmilzt das aufgenommene Material mit Live-Aufnahmen und setzt performativ den gesellschaftlichen Erwartungen Irritation entgegen.

Andrea Marton und Stephanie Felber fanden sich 2022 als Kollektiv »moving_SpAces« zusammen. In ihren Projekten erforschen sie durch Bewegung die Stadt und setzen sich mit Gesellschaftssystemen auseinander.
Andrea Marton ist freie Tanzschaffende aus München, konzipiert, choreografiert, koordiniert und leitet Projekte überwiegend in generationsgemischten Kontexten, sowie mit Menschen Ü55. Ihr besonderes Interesse gilt dem Sichtbarmachen von sehr diversen Menschen im Öffentlichen und in nichtformellen Kontexten. Dabei möchte sie gesellschaftliche Kontexte irritieren, Menschen durch bewegte Aktionen in den Dialog bringen und Normen hinterfragen. Sie ist im Leitungsteam von Fokus Tanz/München und im Vorstand vom Bundesverband Aktion Tanz, und macht sich für die Sichtbarkeit zeitgenössischen Tanzes in Bildung und Gesellschaft stark.

Stephanie Felber entwirft intermediale Performances und sucht nach Formaten und Herausforderungen, die Publikum und Performer:innen gleichermaßen zu Wahrnehmenden und Erkundenden werden lassen. Die Anlage der jeweiligen Verhandlungen in ihren Arbeiten wechselt von einer beinahe unmerklich stattfindenden Körperinstallation zu durchaus konfrontativen Formaten, die Augen- oder Körperkontakt suchen. Ihre Arbeitsweise zeichnet sich dabei durch eine interdisziplinäre und partizipative Herangehensweise aus.
»TEMPTATION« von Silke Z. / resistdance & OLDSCHOOL
Komm ein bisschen näher. Noch näher. Ganz nah. Spürst du unser Alter? Schmeckst du unsere Erfahrungen? Begehrst Du unser Wissen? Welchen Körper offenbarst du mir?
In TEMPTATION folgen 12 Performer:innen im Alter von über 60 den Lockrufen des Verlangens. Sie bewegen sich zwischen Lust und Verlust, Flirt und Scham, Genuss und Schmerz und entwerfen in biografischen Auszügen und körperlichen Momentaufnahmen ein Statement zur Sexualität im Alter(n).TEMPTATION begibt sich auf eine lustvolle Reise an stimulierende, verflossene und im Dunklen liegende Orte und widmet sich der Sichtbarkeit von individueller Lust im Alter(n).
Das Ensemble setzt sich aus Performer:innen des Theaterensembles OLDSCHOOL vom Schauspiel Köln unter der künstlerischen Leitung von David Vogel und aus Performer:innen des Ensembles »the diverse body« von Silke Z. zusammen.

Im Rahmen des Projekts ONE NIGHT STAND entwickeln die Choreografin Silke Z. und der Regisseur David Vogel in erstmaliger künstlerischer Zusammenarbeit die Tanzproduktion TEMPTATION. Sowohl David Vogel als auch Silke Z. widmen einen bedeutenden Teil ihrer künstlerischen Arbeit seit einigen Jahren mit großem Interesse der performativen Zusammenarbeit mit Menschen Ü60.

Für die Performance TEMPTATION bilden die Choreografin Silke Z. mit resistdance und der Regisseur David Vogel mit der Oldschool ein gemeinsames Ensemble aus Performer:innen dieser Altersgruppe.
David Vogel setzt sich als Theaterpädagoge, Regisseur und Perfomer mit generationsübergreifenden Formaten, Biografischem Theater und performbarer Diversität auseinander. Seit der Spielzeit 19/20 ist er am Schauspiel Köln als Theaterpädagoge und künstlerischer Leiter des Ensembles OLDSCHOOL tätig. Die OLDSCHOOL besteht aus über 25 Kölner Senior:innen zwischen 60 und 90 Jahren. In den Inszenierungen stehen die Erfahrungen vielseitig bewegter Leben im Mittelpunkt, die einen vielschichtigen Blick auf generationsübergreifende Diskurse lenken und einem Perspektivwechsel erfahrbar machen.

Silke Z. gründete 1999 die Company Silke Z. resistdance und entwickelt seither über 40 Tanz- Produktionen im In- und Ausland, in Kooperation mit internationalen und regionalen Institutionen. Seit 2017 entwickelt sie auch verstärkt altersgemischte Produktionen, Vermittlungsformate und Tanzforschung mit Menschen Ü60. Hier initiiert Z. Vermittlungs- und partizipativen Angebote, die die Teilhabe an künstlerischen Prozessen in den Fokus nehmen. Sie gründete und leitet die ehrenfeldstudios, eine intergenerative, inklusive Produktions- und Veranstaltungsstätte für den zeitgenössischen Tanz in Köln. Zudem etablierte und bespielte sie diverse Tanzfestival- und Netzwerkformate auf internationaler und überregionaler Ebene.
»PINSELSTRICH (AT)« von ZARTBITTER
Für den Kölner ONE NIGHT STAND entwickelt der Choreograf Pascal Sangl mit sechs Ensemblemitgliedern von ZARTBITTER eine sinnlich-ästhetische Performance zum Thema Berührung und Höhepunkte. Aus lustvollen und spielerischen Elementen entstehen choreografische Bilder, die mal kraftvoll und mal poetisch wirken, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Freuen darf man sich auf ein humorgefärbtes Tanzensemble, das zum Träumen einlädt.

»Lebendig tanzend und dabei gelebtes Leben erzählend. Sinnlich, heiter und so schön. Ich bin raus und dachte, wenn ich mich mit siebzig so durchs Leben bewege, dann freue ich mich aufs Altern« (El. Studentin, nach einem Probenbesuch)

ZARTBITTER ist das Altentanztheater Ensemble der Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW) Ludwigsburg. Hier hat eine Gruppe älterer Menschen mit einer besonderen Leidenschaft für Tanztheater seit 2010 ihr künstlerisches Zuhause. ZARTBITTER will nicht nur sich selbst, sondern »etwas« bewegen, erzählt Geschichten für alle Generationen und überrascht immer wieder mit neuen Ideen und Ansätzen. Die Performances setzen sich auch mit auferlegten Rollen oder verdrängten Aspekten der Thematik Alter auseinander. 2017-Würdigung als Innovatives Projekt der Kulturellen Bildung in Ludwigsburg. 2020 - Preisträger AMARENA.

Lisa Thomas ist Tänzerin, Performerin, Choreografin und Dozentin. Der Fokus ihrer künstlerischen Arbeit liegt in intergenerativen, interdisziplinären Projekten, live improvisierten Performances und einer feministischen Recherche zur Ästhetik des alternden Körpers im Tanz. Mit der TTW gründete sie als künstlerische Leiterin ZARTBITTER und das Festival VielFalten.

Pascal Sangl ist Choreograf, Tanzkünstler und Kulturvermittler. Absolvent der Amsterdamer Universität der Künste. U.a. Stipendiat des Zertifikatskurses „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ an der Universität Hildesheim/Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Zahlreiche Projekte als Choreograf und in der kulturellen Bildung.
20.00-21.24 Uhr

DIE NACHT GEHÖRT UNS

PARTY MIT LIVE-DJ LOUNGE
Danton serviert feinsten groovy House und bringt mit seinen soullastigen Vocals die Tanzbeine zum schwingen! Macht euch auf einen wilden Crossover zwischen House Disco und Breakbeat gefasst.
Förder*innen
Gefördert durch die Produktionsförderung des Fonds Darstellende Künste, das Kulturamt der Stadt Köln, das Kulturreferat der LH München, das Kulturamt der Stadt Ludwigsburg und dem Land Baden-Württemberg.