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PROGRAMMHEFT

Saison der Wirbelstürme

nach dem gleichnamigen Roman von Fernanda Melchor
Aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar

Online-Premiere: 18. Juni 2021

»Everything that happens in hurricane season is about the lack of love. You will never say it's a love novel, but it is in fact.« (Fernanda Melchor)

INHALTSVERZEICHNIS

Hexenverfolgung: angeklagt wegen praktizierter Folterei

We are the witches you were not able to burn

Besetzung

ZUM STÜCK

Tatmotiv: Hexerei. Der Entstehungsprozess von SAISON DER WIRBELSTÜRME beginnt im Sommer 2012, als Fernanda Melchor in der Zeitung vom Mord an einer Dorfhexe in der Nähe der mexikanischen Hafenstadt Veracruz liest. Verwundert über die Selbstverständlichkeit, mit der in der Presse von Aberglaube und Zauberei berichtet wird, begibt sich die Autorin auf die Suche nach den Hintergründen des Mordes. Während ihrer Recherche stößt sie auf ein explosives Geflecht aus organisiertem Verbrechen, politischen Interessen und Drogenkriminalität und erkennt, dass eine journalistische Aufarbeitung des Tathergangs zu gefährlich ist. Melchor entschließt sich daher, die Begebenheiten stark zu fiktionalisieren, in Romanform zu gießen und mit ihrer eigenen Fantasie zu unterfüttern. “Einige der hier erzählten Begebenheiten sind real. Alle Personen sind fiktiv”, heißt es auf der ersten Seite.

Ausgangspunkt dieser Sozialstudie über die mexikanische Provinz ist der Leichenfund einer sagenumwobenen Frau. In der flirrenden Hitze zwischen Schilf und den Motorengeräuschen der Landstraße in einem Zuckerrohrfeld wird sie tot aufgefunden. Über Jahre hinweg war sie das Gesprächsthema Nummer eins der Dorfbewohner*innen von La Matosa. Verehrt, verachtet, gefürchtet und von allen nur »die Hexe« genannt, erzählt man sich sie schauerlichsten Geschichten über sie: sie treibe es mit dem Teufel, spreche mit den Toten, braue allerlei Heilmittel zusammen. Ihre Mutter galt damals schon als Hexe, sie als ein Produkt der Hölle, von dem man nicht einmal genau weiß, ob Frau oder Mann. Doch nun ist sie tot, zurückgelassen hat sie lediglich eine heruntergekommenes Haus, einen Horrorschuppen, in dem sie zu Lebzeiten wilde Orgien veranstaltete und jungen Prostituierten zu Abtreibungen verhalf.

Stück für Stück erschließt sich die Vorgeschichte des Mordes durch den multiperspektivischen Plot sechs verwaister Seelen: Yesenia, die schon früh lernte, Verantwortung für ihre Familie zu übernehmen, vor allem für ihren aufmüpfigen Cousin. Statt Dankbarkeit erfährt sie von ihrer Großmutter Prügel und Herabwürdigung. Luismi, Munra und Brando können der Perspektivlosigkeit und Armut nur durch den täglichen Vollrausch entkommen. Luismi glaubt er werde bald Vater - ein trügerischer Hoffnungsschimmer. Munras besten Jahre sind nach einem schweren Motorradunfall vorbei, der Ewig-Junggebliebene erstickt in Sorgen um seine verschwunden Fau Chabela. Diese wiederum prostituiert sich, seit sie denken kann, ihr Sohn Luismi ist war ein Fehler, verbaute ihre die Karriere zur Puffmutter. Brandos sexuellen Fantasien treiben ihn zur Weißglut, genauso wie seine strenggläubige Mutter, die glaubt in ihm stecke der Teufel. Und dann ist da noch die 13-jährige Norma, die vor den Konsequenzen ihrer ungewollten Schwangerschaft flieht, direkt in die Arme der Hexe. Und der von Chabela.

»Everything that happens in hurricane season is about the lack of love. You will never say it's a love novel, but it is in fact«, sagt Melchor über ihre FIguren.

Mina Salehpour und ihr Team nehmen sich diesem abgründigen Schauermärchen pandemiebedingt in einer digitalen Mini-Serie an und schälen die Zerbrechlichkeit der Figuren im Milieu von Korruption, Folter, Femiziden und Bordellen fein heraus.
»I wanted to write in cold blood. I wanted to show how in Mexico a woman can be killed for nothing and still nothing happens« (Fernanda Melchor)

ZUR AUTORIN

Fernanda Melchor, 1982 in Veracruz/Mexiko geboren, studierte Journalistin, gehört zu den wichtigsten Autorinnen Lateinamerikas. Für ihren zweiten Roman »Saison der Wirbelstürme« erhielt sie 2019 den Anna-Seghers-Preis, den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt und stand auf der Shortlist des International Man Booker Prize. Der Roman erlebte zahlreiche Nachauflagen und wurde in 15 Sprachen übersetzt. 2021/22 ist Melchor Stipendiatin des DAAD in Berlin.
»Die Hexe verkörpert die von jeglicher Dominanz, von jeglichen Begrenzungen befreite Frau; sie ist ein anzustrebendes Ideal, sie weist den Weg.« (Mona Chollet - Hexen)

DER WIND DER WUT

Lea Goebel: Die Initiative #KeineMehr fordert ein breiteres Bewusstsein und Sichtbarkeit von Femiziden. Was war der Impuls zur Gründung und welche Ziele verfolgen Sie darüber hinaus?

Marlene Pardeller: Ich habe mich 2016 für eine Filmrecherche in Mexiko vor- bereitet und im Zuge dessen meine Kol- legin Alex Wischnewski für ein Vorge- spräch getroffen, die das Land gut kann- te. Vor Ort war ich beeindruckt von den Demonstrationen, von den Zielen der
feministischen Organisationen, von der offenen Thematisierung der Morde und dem Ausmaß der Gewalt. In Deutschland gibt es eine starke Faszination für das, was in Lateinamerika gerade passiert, da die feministischen Kämpfe dort sehr präsent sind und eine große Öffentlichkeit erfahren. Die Frauen* haben keinen Bock mehr. Und ihre Wut kommt mittlerweile bis hierher. Alex Wischnewski und ich haben uns dann die Frage gestellt: »Wie sieht das eigentlich in Deutschland aus?«, haben allerdings kaum Zahlen dazu ge-
funden. Außer die polizeiliche Kriminal- statistik, die nach jahrelangem Druck der Frauenhäuser seit den 70er-Jahren etab- liert wurde. Die Frauenhäuser wissen aus ihrer Arbeitserfahrung, dass viel passiert, was sie nicht mit Zahlen belegen können. Die polizeiliche Kriminalstatistik umfasst derzeit Tötungen in Partnerschaften oder ehemaligen Partnerschaften. Jeden zwei- ten bis dritten Tag wird hier eine Frau* ermordet. Wir brauchen mehr Untersu- chungen, Statistiken, Hintergründe. Das ist unsere Motivation.

Vor allem, weil die bisherigen Daten sich nur auf die Morde beziehen, die vom Partner oder vom Ex-Partner verübt werden und nicht auf Femizide außer- halb von Partnerschaften. Müssten die nicht berücksichtigt werden?

Ja, denn das bedeutet nicht, dass in Deutschland keine Tötungen von Frau- en* außerhalb von Partnerschaften statt- finden. Die Zahl aller Ermordeten liegt zwar vor, ist allerdings nach Geschlecht aufgeteilt. Binär, nach männlich und weiblich. Was es nicht gibt, ist eine Zusammenfassung der Ermordeten unter dem spezifischen Begriff des Femi- zids und dabei handelt es sich nicht ein- fach um eine ermordete Frau*. Wenn eine Frau* auf der Straße läuft, ihr die Handtasche gestohlen und sie im Zuge dessen ermordet wird, muss das erst mal kein Femizid sein. Es könnte einer sein. Aber eigentlich geht es darum, dass ihr das Geld weggenommen wird und das hätte genauso gut einem Mann passieren können. Ein Femizid zeichnet sich da- durch aus, dass eine Person vernichtet wird, weil sie als Frau* gelesen wird oder weil sie als Person gelesen wird, die sich nicht dem normierten Geschlechtercode entsprechend verhält. Eine Person, die im Auge des Betrachters eine Grenze überschreitet. Dazu bräuchte es dringend Zahlen, um zu verstehen, was die Motive hinter Femiziden sind, wie stark die Misogynie in der Gesellschaft verwurzelt ist und wie man dem vorbeugen kann.

#KeineMehr verwendet auch den Begriffff »Feminizid«. Worin liegt der Unterschied zum »Femizid«?

Diana E. H. Russell und Jill Radford haben in den 70er-Jahren den englischen Begriff »femicide« geprägt. 1976 gab es in Brüssel ein internationales Tribunal, um über Frauengewalt zu sprechen, an dem Frauengruppen aus der ganzen Welt teilgenommen haben. Da ist dieser Be- griff erstmals verwendet worden. Dann ist er allerdings wieder in Vergessenheit geraten. Wir haben über Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt, aber nicht mehr über Frauenmorde gesprochen. Wieder- aufgenommen wurde der Begriff im lateinamerikanischen Kontext der Neun- zigerjahre, als in Ciudad Juárez eine gewaltvolle Mordreihe an Fabrikarbeite- rinnen stattgefunden hat, die zum Teil gar nicht mehr oder zerstückelt an öffent- lichen Plätzen aufgefunden wurden. Die mexikanische Soziologin Marcela Lagar- de hat den Begriff »femicide« daraufhin wiederaufgenommen, aber angeglichen und daraus »feminicidio« gemacht, weil »femicide« zu nahe am Begriff »homo- cide« liegt. Sie wollte auf ein strukturelles Problem aufmerksam machen, weg von der Einzeltäterschaft. Feminizid ordnet den Tod der Frau* also gesellschaftspolitisch ein, sprich Tötungsde- likte an Frauen* als Folge von Geschlechterdiskriminierung.

Worin liegen die Gründe für den Hass und die Gewalt an Frauen*, die dann in Femiziden münden?

Ich glaube, diesen einen Grund gibt es nicht. Es ist nicht monokausal, sondern es gibt vielerlei Gründe und Momente. Einer, den wir in der Arbeit von #Kei- neMehr herausgefunden haben, ist das starke Festhalten an der Zweigeschlecht- lichkeit. Einer Gesellschaft der Vielfalt zum Trotz. Und dieses Festhalten daran passiert auf mehreren Ebenen: in den Medien, in der Schule, in der Erziehung, in politischen Kontexten. Das Bewusst- sein dafür, dass das Einfordern von zwei Geschlechtern mit Gewalt verbunden ist, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gesellschaftlich ist eine Be- wegung sichtbar. Es gibt viel mehr Stim- men, die laut werden und sagen: »Wir wollen nicht mehr.«

Erfahren Transfrauen und Migrantinnen eine andere Form von Frauenhass?

Die Misogynie in unserer Gesellschaft ist enorm und wir spüren diese oft komplett unterschiedlich. Je nachdem, ob wir mit dem Geschlecht, was uns bei der Geburt zugewiesen wurde, im Einklang stehen oder ob das nicht passt. Zudem werden die Abhängigkeiten sichtbar. Zum Bei- spiel von Frauen*, die nach Deutschland migriert sind und sich in einem deutschen Staat wiederfinden, in dem das Verständ- nis vorherrscht: Wenn ihr in Deutschland bleiben wollt, dann ist euer Aufenthalts- recht in den ersten fünf Jahren an euren Ehemann gekoppelt. Wenn solche Frau- en* in Gewaltbeziehungen stecken, dann schaffen sie es oft nicht, sich zu lösen. Der deutsche Staat unterstützt ein pat- riarchales Besitzdenken.
Sie haben eben von dem Wind der Wut gesprochen, der nach Deutschland weht. Wie kommt es, dass wir Bilder protestie- render, wütender, starker Frauen*, die zu Tausenden auf die Straße gehen, vornehmlich aus Lateinamerika kennen und nicht aus Deutschland?
2015 wurde die 14-jährige Chiara Páez von ihrem 16-jährigen Freund ermordet. Sie war schwanger und wollte nicht abtreiben, der Täter vergrub die Leiche mithilfe seiner Familie im Garten. Dieser Fall war für Argentinien ein einschnei- dender Punkt nach jahrelangen Femizi- den, der eine enorme Wut hervorgerufen hat, die bis heute anhält und auch in Italien, Spanien, Frankreich und Polen zu spüren ist. In Deutschland ist das anders. Das liegt unter anderem an der ganz spezifischen Rolle Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Land, dessen Großteil der Bevölkerung die NS- Politik aktiv gewollt und befördert hat, musste 1945 eine reale historische Nie- derlage erleben. Und das bedeutete für die meisten, die die NS-Politik mitgetra- gen haben, dass sie nicht trauen durften oder konnten. Die Zeit, darüber zu spre- chen, gab es nicht, weil es wichtig war, alles von sich wegzuschieben, um weiter- zumachen. Mit diesem Schweigen und dem fehlenden Zugang zu Emotionen der Nachkriegsgenerationen haben wir es heute noch zu tun.

Welche Erfahrungen haben Sie während IhresDrehszumDokumentarfifilm UNTER DER HAUT LIEGEN DIE KNOCHEN in Mexiko gemacht?

Eigentlich wollte ich 2012 einen Film über feministische Gruppen in Italien machen. Mir war zunächst nicht bekannt, dass die Zahlen der ermordeten Frauen* in Italien ähnlich hoch sind wie in Mexi- ko. Das hat mich nachhaltig beschäftigt und irritiert – dass man diese zwei Rea- litäten miteinander vergleichen konnte. Deshalb bin ich nach Mexiko gefahren und habe mit Aktivistinnen aus unter- schiedlichen gesellschaftlichen Schichten gesprochen. Ich habe dort ein ganz persönliches Interesse der Frauen* ge- spürt, weil sie entweder einen Mordfall zu beklagen hatten oder eine Person, die verschwunden war. Femizide waren kein abstraktes theoretisches Konstrukt, son- dern eine Not, die aus dem Alltag heraus entstanden ist. Das waren die beeindru- ckendsten Demos, die ich gesehen habe und die klügsten Leute, die ich getroffen habe, weil sie mit enormer Klarheit die patriarchale Gewalt benennen konnten: Polizei, Ehemann, Arbeitgeber, der Typ da auf der Straße und die internationale Wirtschaftskooperation zwischen den USA und Mexiko. Als ich dann zurück nach Italien gekommen bin, war das Schweigen so massiv spürbar, gerade im Kontrast.

Sind Sie dort auch mit den sogenannten »nota roja« (dt.: rote Artikel), kleinen Zeitschriften, die Fotos von Leichen und Tatorten offffensiv abdrucken, in Berüh- rung gekommen?

Ich habe das beobachtet und daraufhin mit dem Kameramann Sergio Silva Azúa aus Mexiko City über den größeren Zusammenhang dahinter gesprochen. Dieser hat es mir so erklärt: Dadurch, dass Mexiko so lange unter kolonialer Gewaltherrschaft stand, hat dort über Jahrhunderte eine massive Gewöhnung an Gewalt stattgefunden, die bis heute nie wirklich aufgearbeitet worden ist. In einem Ausmaß, wie ich sie mir nicht vor- stellen kann. Zum anderen hat sich die Drogenroute in den 1990er-Jahren verändert und wurde über Mexiko um- geleitet. Plötzlich waren die Auswirkun- gen der Drogenkriege zu spüren. In den frühen 2000ern waren Leichen Teil des Alltags. Wenn du zur Schule gefahren bist, hingen Menschen an den Brücken. Durch dieses Exponieren der Leichenim öffentlichen Raum, meinte Sergio Silva Azúa, hat eine Abstumpfung stattgefun- den, die es leichter macht, diese extremen Bilder abzudrucken.

Bleiben wir mal bei der Berichterstattung. Wenn man über Frauenmorde liest, fallen oft Begriffe wie »Eifersuchtsdrama« oder »Familientragödie«. Ist die Berichterstattung über Femizide in Deutschland ausreichend?

Diese Begriffe sind motiviert und nicht neutral. Die Begriffe wie »Eifersuchts- drama«, »Beziehungstat« und »Familien- tragödie« reißen eine Tat aus einem ge- samtgesellschaftlichen Zusammenhang und privatisieren sie. Gerade bei »Fami- lie« oder »Eifersucht« befinden wir uns in einem privaten Raum, in dem nur zwei Leute beteiligt sind und der Rest der Gesellschaft nichts damit zu tun hat. Mit den Begriffen wie »Tragödie« oder »Drama« sind wir eigentlich im Theater. Das produziert eine Distanzierung, aber auch Effekthascherei. Es wird uns das Schicksalhafte, das Unabänderliche da- ran vorgeführt. Häufig stellen die Artikel auch inhaltlich keinen gesellschaftlichen Zusammenhang mit dem strukturellen Problem her. Neben der Verharmlosung und Privatisierung des Femizids gibt es noch ein größeres Problem: die Rassifi- zierung des Tatbestandes. Wenn der Begriff des »Ehrenmords« eingesetzt wird zum Beispiel. Zum ersten Mal fällt hier überhaupt mal das Wort »Mord«. Und dieser wird zurückgeführt auf eine vermeintliche Herkunft des Täters. Was oft nicht stimmt, weil die Täter sehr häu- fig Deutsche sind. Das ist ein patriarcha- les Problem, das man nicht rückkoppeln kann an eine bestimmte Kultur.

Und auch nicht auf ein soziales Milieu.

Absolut. Es handelt sich um eine Gewalt, die klassenübergreifend ist und die keine nationalen und kulturellen Grenzen kennt.

Blicken wir mal auf das Corona-Jahr, in dem die häusliche Gewalt gestiegen ist und die Bedeutung der Frauenhäuser auch. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Meiner Erfahrung nach hat Corona im Hinblick auf häusliche Gewalt wie auch auf viele andere gesellschaftliche Berei- che Probleme erst mal verstärkt. Die Schieflagen sind deutlicher zum Vor- schein gekommen. Es kann sein, dass die häusliche Gewalt gestiegen ist, aber die Zahlen sind seit vielen Jahren schon hoch. Die Frauenhäuser berichten uns, dass es schwieriger für Frauen* gewor- den ist, sich Hilfe zu holen, weil sie in ihren privaten Räumen mit den Tätern eingeschlossen sind. Frauenhausplätze sind seit Jahren ausgebucht und absolut unterfinanziert. In Berlin wurden zuletzt leerstehende Hotels genutzt, um Frauen* unterzubringen. Es gibt außerdem zu wenig Mitarbeiterinnen. Für diese war das Jahr eine unglaubliche Herausfor- derung. Und dann wird das Digitale Deutsche Frauenarchiv auch noch aus dem gleichen Geldtopf finanziert wie die Frauenhäuser. Da werden zwei Dinge gegeneinander ausgespielt, die so wichtig sind. Das ist eine Verknappung der Mittel, die nicht notwendig sein müsste.

Oft geht der Unterbringung in einem Frauenhaus ein langer innerer Kampf der Frauen voraus. Die Rechtsanwältin Christina Clemm sagt, nach einer An- klage dauert es zwischen zwei und vier Jahren, bis es zur Urteilssprechung kommt. Das macht diese Entscheidung nicht leichter, oder?

Sich aus Gewaltsituationen zu lösen, ist sowieso schon sehr schwierig. Und wenn du es dann schaffst, hast du es mit einem misogynen Polizeiapparat zu tun, weil die Ausbildung fehlt und mit einem Jus- tizapparat, bei dem es ähnlich aussieht und mit Frauenhäusern, die all das auf- fangen müssen. Das ist keine dauerhaf- te Lösung, das ist eine Zwischenlösung, eine Unterstützung. Aber es muss eine andere gesellschaftliche Einbindung ge- ben, damit die Selbstständigkeit der Frauen* unterstützt, leistbare Wohnun- gen zur Verfügung gestellt, Arbeitsplätze ermöglicht und Gerichtsprozesse be- schleunigt werden. Das ist nicht die Auf- gabe der Frauen*. Das muss als gesamt- gesellschaftliche Aufgabe begriffen werden und einige Entscheidungsträ- ger*innen sträuben sich noch, diese Ver- antwortung zu übernehmen.

Das Interview führte die Dramaturgin Lea Goebel.

“Saison der Wirbelstürme” - Internationaler Literaturpreis 2019 (HKW)


Im Sommer 2019 war die Autorin Fernanda Melchor zu Gast im “Haus der Kulturen der Welt” in Berlin. Im Gespräch mit dem Moderator Daniel Medin und der Übersetzerin Angelica Ammar, spricht sie unter anderem über den Entstehungsprozess des Romans und ihre literarischen Vorbilder.

We are the witches you were not able to burn

Seit den 60er Jahren gibt es immer wieder feministische Gruppen, die den Begriff “Hexe” von Klischees befreien und positiv umdeuten möchten. Die Faszination für das Bild der selbstbestimmten Frau beschreibt Mona Chollet in ihrem Buch HEXEN. DIE UNBESIEGBARE MACHT DER FRAUEN.

Hexenverfolgung - angeklagt wegen praktizierter Zauberei

Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert fielen der Hexenverfolgung ca. 50.000 bis 100.000 Menschen zum Opfer; überwiegend Frauen. Ein Podcast über ein gewaltvolles Kapitel deutscher Geschichte, die Rolle der Kirche und den damaligen Bestseller “Hexenhammer” des Inquisitors Heinrich Kramer.

Stab

Bühne: Andrea Wagner
Kostüme: Maria Anderski
Kamera/Schnitt: Nazgol Emami
Dramaturgie: Lea Goebel